wir über uns

Wer sind wir und was machen wir?

Die Pioniere sind eine der unterschiedlichen Formationen innerhalb der Schützengilde 1377 Korbach. Diese Gilde ist eine der ältesten Deutschlands und damit eng verbunden mit Tradition und Brauchtum. Was heißt das?

Steinhaus Anfang 14. JahrhundertWir leben in einer sehr schönen, alten, ehemaligen Hansestadt, die in ihrem Kern viele Merkmale des Mittelalters beherbergt. Dazu gehören Stadtmauern, Türme und Steinhäuser aus einer Zeit, in der Kolumbus noch nicht über den Ozean gesegelt ist. Diese „Schätze“ bedürfen einer Annahme durch Interessengruppen, die sich in ihrer Freizeit dazu bereit erklären, Historisches zu erhalten und wieder aufleben zu lassen.

So ist neben dem Enser Türmchen auch der mächtigste Wehrturm der Stadtmauer, der Tylenturm, von Grund auf neu belebt worden, etliche Arbeitsstunden haben dafür gesorgt, dass neue Treppenaufgänge der Öffentlichkeit das Besteigen des Bauwerks ermöglichen. Im Sommer 2005 wurde nach zwei Jahren Arbeit eines der ältesten Steinhäuser Deutschlands zu einem Schmuckstück verwandelt. Die Beteiligten aus allen Formationen der Gilde, die dieses ermöglicht haben, wuchsen dabei zu einer Gemeinschaft zusammen, egal aus welcher sozialen Schicht, ob hier Geborener oder Zugereister.

 

die restaurierten Reste des Enser ToresDie Brauchtumspflege findet auch in umliegenden Gemeinden statt. Dazu besucht man sich gegenseitig. Die Schützenfeste oder Freischießen der Städte, Gemeinden und Dörfer tragen zum Austausch von Erfahrungen und Erlebnissen bei. Das Kennenlernen von Menschen außerhalb des alltäglichen Berufslebens ist damit vorprogrammiert.

Die Miglieder der Pioniere führen - wie die der anderen Formationen - ihr eigenständiges Vereinsleben, organisieren mehrtägige Fahrten und veranstalten regelmäßige Treffen. Dazu gehören auch öffentliche Veranstaltungen, wie der jährliche „Tanz in den Mai“ in der Korbacher Rotunde auf dem Obermarkt, der sich seit Jahren als Publikumsmagnet großer Beliebtheit erfreut. Die Frauen und Freundinnen der Pioniere sind erfreulicher Weise sehr engagiert, zeigen großen Zusammenhalt, und unternehmen regelmäßig eigene Touren durch das gesamte Bundesgebiet.

 

Bei Einladungen zu Schützenfesten in umliegenden und entfernten Gemeinden gehört es dazu, sich in seine Uniform zu werfen und zusammen mit der gesamten Gilde in Festzügen aufzutreten. Was für einige, neu hinzugekommende Mitglieder anfangs befremdend wirkt, verliert in der Gruppe an der Tylenturm Anfang 14. JH - Begehbarmachung 1997Wirkung und macht tatsächlich Spass. Die Pioniere laufen in diesen Umzügen historisch bedingt in vorderster Linie, um etwaige Hindernisse zu beseitigen. Seit der Wiederbelebung der Pioniere im Februar 1996 wurden die Uniformen überarbeitet. Die alten Bärenfellmützen und Lederschürzen wurden abgelegt und durch neue und bequemere Ausstattungen ersetzt. Bei sehr festlichen und formellen Anlässen tritt die Formation in "Gala" auf, das heißt grüne Uniformjacke mit weißem Hemd und Krawatte zu schwarzer Hose. Neu ist die sogenannte Kampfuniform: sie ist leger gehalten, besteht aus einem kurzärmeligen weißen Hemd, einer Weste und knielanger Hose zu langen Strümpfen. Damit wurde den Wünschen der Mitglieder entsprochen, die bei sommerlichen Festumzügen in der üblichen grünen Jacke oft genug ins Schwitzen kamen. Die pragmatische Kampfuniform entspricht dem Aussehen von Zimmerleuten, einer Handwerksgruppe, die bereits in der Antike Bestandteil von Pionierkompanien bildeten (siehe Historie). Bei der Auswahl des Logos einigten wir uns gemeinsam auf ein Kompanieabzeichen, das an eine bestehende militärische Pionierkompanie angelehnt ist, im Inneren aber den Korbacher Roland beherbergt.

 

Gelegenheiten zu gemeinsamen Unternehmungen gibt es in regelmäßigen Abständen. Alljährlich wird der Pionier des Jahres ermittelt. Der Wettbewerb zum Erringen des begehrten Titels gestaltet sich jedes Jahr in neuen Varianten. Traditionell ist dabei stets der Wurf mit Wurfäxten auf einen hölzernen Vogel. Eine weitere Feierlichkeit ist das Schweinchenfest. Einmal im Jahr ausgetragen wird hier der neue Pate für das kleine Pionierschwein in einem Wettkampf ermittelt. Der Pate sorgt im Folgejahr für ein zünftiges Fest. (Das Schwein trägt bei diesen Festen keine gesundheitlichen Schäden davon.)

 

Die großen festlichen Veranstaltungen der Schützengilde 1377 Korbach bestehen im wechselnd jährlichen Rhythmus aus dem Freischießen, dem Vogelschießen und dem Schnadezug. Beim Freischießen werden die Könige ermittelt, die durch den besten Schuss auf eine Scheibe ihre dreijährige Regentschaft mit ihren Königinnen festlegen. Dabei werden ein Männerkönig, ein Burschenkönig und ein Kinderkönig ermittelt. Männer- und Burschenkönig gehören für diese Zeit dem engeren Vorstand der Gilde an.

Das Vogelschießen legt den Vogelkönig fest, der nicht aus der Schützengilde stammen muss. Jeder Korbacher Bürger kann dieses Amt bekleiden, wenn es ihm gelingt, den prächtigen Holzvogel von der Stange zu holen. Dabei ist es natürlich auch möglich, dass eine Frau diese Trophäe erringt, was ein vergangenes Vogelschießen bereits gezeigt hat.

 

Die - historisch bedingt - herausragende Feierlichkeit der Pioniere ist der Schnadezug, der ebenfalls im Dreijahresrhythmus stattfindet. Dabei werden die ehemaligen Korbacher Gemarkungsgrenzen abgeschritten, aufgrund der Länge aber immer nur ein Fünftel der Gesamtstrecke. So dauert es achtzehn Jahre, bis die Schnade von ihrem Anfangspunkt neu begangen wird. Die Pioniere haben hier seit Jahrhunderten die Aufgabe, die Abschnitte im Vorfeld begehbar zu machen, die Wege von Geäst, umgefallenen Bäumen oder hüfthohem Gras zu befreien. Brücken müssen über Bachläufe errichtet und Biwakplätze angelegt werden. Das Wichtigste ist aber das Auffinden und Freilegen der zum Teil sehr alten Grenzsteine, die im Laufe der Zeit durch Ackerpflüge und Erosion ihren Platz eingebüßt haben. Neue, von ansässigen Steinmetzen bereitete Grenzsteine, müssen ebenfalls einige Tage vorher mit einem festen Fundament versehen und gesetzt werden. (historische Herkunft der Schnade) Diese Steine werden von Korbacher Bürgern gestiftet, manchmal auch von den Bewohnern der angrenzenden Gemeinden.

Beim eigentlichen Schnadezug, der für alle interessierten und wanderfreudigen Heimatbegeisterter samt Kind und Kegel zu empfehlen ist, hat die Kompanie eine weitere Aufgabe. Jeder Halt an einem Grenzstein wird zu einem Ereignis. Freiwillige können sich hier stutzen lassen. Sie werden dabei von vier kräftigen Pionieren gepackt und fest mit dem Hinterteil auf den Stein gestoßen. Dabei kann es schon einmal vorkommen, dass jemand unfreiwillig in den Genuss des Stutzens kommt. Die Namen und Orte dieses Geschehens werden dokumentarisch für die Nachwelt festgehalten und zusätzlich auf farbigen Urkunden mit Foto ausgehändigt. Üblich ist dabei die Entrichtung eines Obolus und das Einnehmen eines hochprozentigen Rachenputzers. Interessant ist jedes Mal die Namensverlesung der Gestutzten, die vor achtzehn Jahren an diesem Ort bereits gelitten haben.

Ansprechpartner der Pioniere sind in der Rubrik Fotos aufgeführt.